Sie heißen Schlossgalerie Landeck, A12 Galerie Imst, L25 Defereggentalstraße Moos- und Mellitzgrabengalerie. Was sich nach Grundstücksfeldern beim Monopoly anhört, sind in Wahrheit Bollwerke wider die Launen der Natur. Einhausungen, die in unwegsamem und deshalb unwägbarem Gelände den Verkehr schützen vor Lawinenabgängen, Felsschlag oder Muren. Manchmal auch alles in einem. Im Norden und Osten Tirols sind gerade drei dieser betonierten Schutzbauten im Entstehen. Und wenn es um anspruchsvolle Geometrien geht, ist die Doka nicht weit, noch dazu auf ihrem ureigenen Terrain. So verschieden die Galerien sein mögen, im Mittelpunkt steht stets die schaltechnische Allzweckwaffe, das Traggerüst SL-1.

3G-Regel: geplant, geprüft, geschalt

Von der Zentrale in Amstetten geplant und vorkonfiguriert, von der Niederlassung Inzing betreut und mit richtmeisterlicher Unterstützung vor Ort auf die Schiene gebracht, tun die vollhydraulischen Spezialaufbauten ihren Dienst – mal allein, mal im Duett, wie im Defereggen wenn auf Lücke betoniert wird, also zwei Schalwagen sich die Takte teilen. Aus zeitlichen Gründen, erzählt Florian Lasshofer, Technischer Leiter Tirol und Vorarlberg, da Angebotsphase und Einsatz nur sportliche 4 Wochen trennten. Zudem zeigt die Natur sich hier besonders launisch, weshalb zwei Galerien, Moosgraben und Mellitzgraben, im kommenden Jahr die Defereggentalstraße bei St. Veit i.D. absichern werden.

Um den laut Lasshofer „knackigen Zeitplan“ zu halten, hat die Doka den Bauleuten Staxo 100 Traggerüste anvertraut. So lassen sich synchron zu den Durchfahrten die Portalenden schalen, was neben der geballten SL-1 Power zusätzliche Zeitersparnis bringt. Der Großteil der Zwillingsbauten wird später mit Erde überschüttet, als Puffer gegen die dann an ihnen rüttelnden Horizontalkräfte.

Von der Galerie zum Tunnel

Anders sieht es bei der Galerie Imst auf der Inntalautobahn A12 aus. Hier haben es die Doka Ingenieure und Techniker mit einer Sanierung zu tun. Die ASFINAG spendiert der in die Jahre gekommenen Hülle eine stabilere. Sie dockt als Tunnel im Tunnel von innen an den Bestand an, was den Vorteil hat, dass der alte Betonkragen nicht abgebrochen und entsorgt werden muss. Die ausführende Baufirma kann sich voll auf den Schalungsakt einlassen.

Höchste Eisenbahn für sicheren Straßenverkehr

Auch am dritten Schauplatz, der Schlossgalerie im Niemandsland zwischen Fließ und Landeck, gilt es, der speziellen Formensprache schaltechnisch gerecht zu werden. Bedingt durch die Topografie – der Weg führt durch schroffes Gelände, eingeengt von Berg und Inn – waren zunächst stabilisierende Eingriffe nötig: Stützpfeiler im Untergrund und eine Hangbrücke, um die Straße vom Berg abzurücken. Lasshofer sagt mit Blick auf die Geologie, dass es „höchste Eisenbahn“ gewesen sei. Im Zuge des Felsabtrags habe sich das Gestein als locker erwiesen. In der Folge hat es einen Felssturz gegeben; gottlob am Wochenende, als keine Arbeiter zugange waren. Nachdem die Grundfesten standen, hat einmal mehr das Traggerüst SL-1 das Kommando übernommen: ein stattliches Traggerüst mit Querträgern und abgewinkelten Streben, wo Decke und Seitenwände sich begegnen, mit H20 Trägern und einer Top 50 Trägerschalung fürs Eingemachte.

Von der Doka Sonderschalungsbau teils vormontiert geliefert und vor Ort vom Richtmeister mit der Baustellenmannschafft aufgebaut, nimmt die Schlossgalerie konstant und sicher Gestalt an. Im Fußball würde man von einer Flügelzange sprechen, wie von überall her mechanisch Druck ausgeübt wird, damit die Einhausung später im rechten Licht erscheint. Im Inneren des einmal rund 722 Meter langen Bauwerks sind dafür 74 Blöcke vorgesehen, zwei pro Woche. Und weil jede Stunde zählt, hilft das Betonmonitoring Concremote Zeit zu sparen, indem es konkrete Aussagen zur Frühfestigkeitsentwicklung des Betons und somit zum idealen Ausschalzeitpunkt macht.

Das Traggerüst SL-1 als Fels in der Brandung

Bergwärts setzt die Strabag fürs Abschalen auf Framax Xlife Rahmenschalungen, während die Ein- und Ausfahrten mithilfe von Staxo 100 Unterstellsystemen gegossen werden, zu individuell ist ihre Geometrie. Talseitig wiederum, an der offenen Galeriewand, bilden Kragplatte, Unterzüge, Pfeiler und Fenster eine Gemengelage, denen mit Top 50 Elementen beigekommen wird. Die außen wie eine robotische Gottesanbeterin fixierte Konstruktion erlaubt es, die Dachkante in einem fort auszubilden. Zugleich lassen sich damit eine Etage tiefer sämtliche Ausprägungen der Galerie rahmen. Per Knopfdruck schiebt sich derweil der Schalwagen SL-1 mit einem Meter pro Minute von einem Block zum nächsten, hebt und senkt sich hydraulisch. Trotz seines Vortriebs steht die blaugelbe Betonierhilfe im nächsten Moment wieder stramm auf den Schienen wie ein Fels in der Brandung.

Wie er dasteht, in seiner nach oben hin ausgedehnten Struktur, mit den serifenartigen Seitenflügeln, sieht es aus wie ein Pi, der 16. Buchstabe des griechischen Alphabets. In der Betriebswirtschaftslehre steht Pi für den Gewinn. Irgendwie passend: der SL-1 – ein Gewinn, nicht nur für Galerieprojekte.

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